Das Gehalt von Rechtsanwaltsfachangestellten ist im Kanzleimarkt längst kein „Nice-to-have“-Thema mehr, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor im Recruiting. Kandidatinnen und Kandidaten vergleichen Angebote zunehmend entlang klarer Benchmarks – und ab 2026 gewinnt das Thema zusätzlich an Relevanz durch die wachsende Erwartung an Transparenz in Vergütungsstrukturen.
Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Gehaltsbenchmarks aus unserem ReFa-Report 2025/2026 – mit konkreten Zahlen zur Einordnung, damit Sie das Rechtsanwaltsfachangestellten-Gehalt marktgerecht (und verhandlungssicher) positionieren können. Ihm zugrunde liegt eine Umfrage, an der sich ein Drittel der Top-100-Kanzleien beteiligt hat.
1) Einstiegsgehälter: Wo der Markt 2025/26 startet
In Top-Kanzleien liegen die Einstiegsgehälter für ReFas/NoFas und vergleichbare Assistenzrollen typischerweise zwischen 30.000 € und 50.000 € brutto/Jahr. Rund die Hälfte der Arbeitgeber zahlt direkt nach der Ausbildung 36.000–40.000 €.
Im Durchschnitt beträgt das Einstiegsgehalt:
- ReFa (Rechtsanwaltsfachangestellte): Ø 39.148 €
- NoFa: Ø 41.083 €
- Assistenz (andere Ausbildung): Ø 38.667 €
ReFa-Report 25-26 Whitepaper
Einordnung für Kanzleien: Wenn Sie beim Gehalt Ihrer Rechtsanwaltsfachangestellten im Einstieg unterhalb dieser Korridore liegen, wird die Lücke häufig nur durch sehr starke Rahmenbedingungen (Flexibilität, Überstundenausgleich, Benefits) kompensierbar. Liegen Sie im oberen Bereich, sollte das im Angebot klar als „Marktpositionierung“ erkennbar sein – sonst verpufft der Vorteil kommunikativ.
2) Maximalgehälter: Große Spannbreite – aber klare „Deckel-Zonen“
Bei den Maximalgehältern zeigen Top-Kanzleien eine deutliche Spreizung: Einige zahlen auch für erfahrene Kräfte keine 45.000 €, andere bieten inzwischen über 70.000 €. Gleichzeitig definiert die Mehrheit einen Gehaltsdeckel zwischen 58.000 € und 65.000 €.
Durchschnittliche Maximalgehälter in Top-Kanzleien:
- ReFa: Ø 58.852 €
- NoFa: Ø 62.390 €
- Assistenz: Ø 59.255 €
ReFa-Report 25-26 Whitepaper
Zusätzlich: NoFas liegen im Schnitt 3.000–4.000 € über ReFas und Assistenzrollen.
Was das für Ihre Gehaltslogik bedeutet: Ein sauber definiertes Gehaltsband (Einstieg–Erfahrung–Senior) wirkt im Kanzleikontext oft stärker als „Einzeldeals“. Es reduziert interne Unruhe, erhöht die Angebotsqualität und beschleunigt Entscheidungen – insbesondere dann, wenn mehrere Standorte oder Teams beteiligt sind.
3) Rechtsanwaltsfachangestellten-Gehalt nach Standort: die Realität jenseits der Top-Kanzleien
Für die Standort-Einordnung liefert der Report repräsentative Medianwerte (Daten der Sozialversicherer) über Kanzleien aller Größen. Der Median bedeutet: 50% liegen darüber, 50% darunter.
Median-Gehälter (Fachangestellten-Bereich inkl. ReFa/NoFa/PaFa) nach Stadt:
- Berlin: Ø 42.456 €
- Düsseldorf: Ø 45.624 €
- Frankfurt: Ø 51.072 €
- Hamburg: Ø 44.664 €
- München: Ø 55.560 €
- Stuttgart: Ø 48.408 €
Konsequenz: Beim Gehalt ist „marktgerecht“ ohne Standortbezug häufig eine Fehleinschätzung. München und Frankfurt liegen deutlich höher als z. B. Berlin oder Hamburg. Wenn Sie standortbedingt nicht „mitgehen“, müssen Sie bewusst an anderen Hebeln arbeiten (z. B. Homeoffice-Standard, Fahrtkostenzuschuss, klare Entwicklungspfade).
4) Gehaltsspannen (25%-/75%-Werte): So lesen Kandidaten Ihre Position im Markt
Spannend für die Praxis sind die Quartile (untere 25%, Median, obere 25%). Beispiel Berlin vs. München:
- Berlin: Unter 35.500 € gehört man zu den unteren 25%; über 51.500 € zu den oberen 25%.
- München: Unter 45.500 € gilt schon als vergleichsweise niedrig; erst ab 68.800 € gehört man zu den oberen 25%.
- Frankfurt: In der Spitze liegt die obere Schwelle bei 63.500 € deutlich über anderen Metropolen.
Warum das wichtig ist: Kandidaten denken selten in Medianen – sie denken in „unterdurchschnittlich / ok / sehr gut“. Diese Schwellen helfen Ihnen, Angebote realistisch zu labeln und im Gespräch sauber zu begründen.
5) Rechtsanwaltsfachangestellten-Gehalt: Markt hat seit 2019 deutlich angezogen
Die Gehälter im Fachangestelltenbereich sind seit 2019 klar gestiegen. Der 3-Jahresvergleich zeigt u. a.:
- 2021 → 2024: +17,0%
- 2020 → 2023: +13,0%
- 2019 → 2022: +12,1%
Der Report ordnet ein, dass Arbeitgeber u. a. auf die hohe Inflation 2022/2023 mit Gehaltsanpassungen reagiert haben.
Implikation: Wenn Ihr internes Gehaltsniveau seit 2021/2022 nur gering angepasst wurde, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihr Gehaltsangebot für Rechtsanwaltsfachangestellte heute „unbemerkt“ unter Markt liegt – und dadurch Bewerbungsmenge und Abschlussquote sinken.
Fazit
Ein wettbewerbsfähiges Rechtsanwaltsfachangestellten-Gehalt entsteht 2025/26 nicht durch „höchstes Angebot“, sondern durch eine konsequente Kombination aus klaren Gehaltsbändern, standortgerechter Einordnung, sichtbarer Entwicklung und einem kommunizierbaren Gesamtpaket. Unsere Benchmarks geben Ihnen dafür belastbare Orientierungswerte – sowohl für Top-Kanzleien als auch für die standortbezogene Marktbetrachtung.
Mehr aus dem ReFa-Report: Die Arbeitszeiten der Rechtsanwaltsfachangestellten 2025 / 2026